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Markt Zell im Fichtelgebirge  |  E-Mail: info@markt-zell.de  |  Online: http://www.markt-zell.de

Der große Waldstein (877 m NN)

sagenumwobener, geheimnisvoller Berg
Schüsselfelsen

Wohl um keinen Berg des Fichtelgebirges ranken sich so viele Legenden, Sagen, Halbwahrheiten und tatsächliche Begebenheiten wie um den Waldstein. Mit ihm hat es so seine Bewandtnis und nicht alles darf man glauben, was sich da oben auf dem Gipfel und um den Berg herum abgespielt haben soll.


Schon bei seinem vermeintlich beziehungsvollen Namen sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Der Münchberger Heimatforscher und frühere Kreisheimatpfleger Karl Dietel hat sich schon vor Jahren mit der Frage nach dem Ursprung auseinandergesetzt und seine Version ist wohl am treffendsten, da er schon auf Grund seiner Ausgrabungen den Berg wie kaum ein anderer kannte.


In Georg Reichels "Sagenkreis des Fichtelgebirges" schreibt Karl Dietel: Obwohl schon die ältesten Beurkundungen (1102/39, um 1166, 1179, 1180, 1197, 1206, 1298) die Form "Waltstein" gebrauchen, ist der Name nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick ausschaut. Das Grundwort "Stein" ist ursprünglich mit "Fels" gleichzusetzen. Mit "Walt" ist der Wald oder das Waldgebirge gemeint, wobei in der älteren Sprache meist an große Waldkomplexe und ausgedehnte, stark bewaldete Gebiete gedacht wird. Unter Umständen verbindet sich damit der Begriff des Königswaldes.


Betrachtet man die natürlichen Gegebenheiten am Waldsteingipfel, so läßt sich der Bergname am ungezwungensten als "der Fels oder Stein" im Walde deuten. Der Berg hätte damals von den umwohnenden Menschen wegen seiner aus dem Walde aufsteigenden gewaltigen Granitfelsen kaum treffender bezeichnet werden können, denn das Imposante auf dem Waldsteingipfel sind doch ohne Zweifel die riesigen, über die Baumwipfel herausragenden Felstürme. "Stein" kann jedoch auch noch etwas anderes als Fels bedeuten.


Als man in der Mitte des 11. Jahrhunderts begann, Burgen auf schwer zugänglichen, steilen Felsgipfeln zu errichten, nannte man diese Anlagen "Steine", weil fast senkrecht abfallende Felsgruppen oder Bergspitzen ihren Hauptschutz bildeten. Diese charakteristische Lage war beiden Waldsteinburgen gemeinsam. Deshalb wäre die Deutung des Namens Waldstein als "Burg auf steilen Felsen oder Steinen im Walde", vielleicht im königlichen Walde, durchaus berechtigt. Wahrscheinlich ist diese Auslegung für den Waldstein die zutreffendste, denn das Waldsteingebirge mit seinem ausgedehnten Waldmeer wurde noch im späten Mittelalter einfach als "der Wald" bezeichnet.


Dies bezeugt einleuchtend eine Urkunde von 1315, mit der Heinrich von Sparneck all das Gut, das er "auf dem Walde" und im Gericht zu Münchberg gehabt hat, von den Vögten von Plauen als Lehen empfing. Hier wird das Waldgebiet des Waldsteins und sein nördliches Vorland deutlich vom Gerichtsbezirk Münchberg unterschieden. Später ist dann immer wieder vom Wald oder -differenzierter- vom Münchberger, Zeller, Waldsteiner, Sparnecker und Hallersteiner Wald die Rede, während sich der Name Waldstein zunächst nur auf die Burgbezirke und die umliegenden Gipfelpartien bezog. Schließlich ließe sich "Stein" auch mit einem "Steinernen Haus" gleichsetzen. Dann wäre der Name Waldstein von einem aus Steinen erbauten festen Haus, einer gemauerten Burg im Walde, abzuleiten.


Auf eine weitere Möglichkeit, den Namen Waldstein zu erklären, hat schon Ludwig Zapf hingewiesen. Nach seiner Meinung könnte in der alten Form "Waltstein" auch der Wortstamm "walten" in seiner Bedeutung "herrschen, richten" stecken. Zapf verweist dabei auf die "Waltboten" oder "Gewaltboten" und auf die später auf der Burg Waldstein ruhende reichslehenbare Hochgerichtsbarkeit. Entschieden und richtig lehnte er dagegen die Herkunft des Burgnamens Waldstein von "Wal- oder Wallstein" ab. Diese Bezeichnungen kommen vom 14. Jahrhundert an vereinzelt in den Urkunden vor. Hier handelt es sich aber nur um den Ausfluß einer lässigen Mundart, bei der der Endkonsonant von "Wald" abgefallen ist, so dass der Schreiber nur "Wal" oder "Wall" hörte. In dieser verderbten Form "Waltstein" glaubte man im 19. Jahrhundert in völliger Verkennung der Tatsachen einen Beleg für einen germanischen Opferplatz auf dem Waldstein zu haben.


Genauso abwegig ist es, im Vertrauen auf die in den Urkunden nur vereinzelt und erst später auftretende Form Wal- oder Wallstein den Burgnamen Waldstein als "Felsenburg mit einem Walle" zu erklären. Wälle, also Erdaufschüttungen mit eventuell eingebauten Holzversteifungen oder Trockenmauern, gibt es bei den zwei Waldsteinburgen nämlich nicht. Deshalb ist ja auch der von Ludwig Zapf für den innersten Bereich der Ostburg geprägte Ausdruck "Wendischer Wall" nicht nur hinsichtlich der völkischen Zuweisung, sondern auch in bezug auf die Konstruktion der Mauer völlig unzutreffend." Hundertprozentig will sich also auch Karl Dietel nicht festlegen, aber zumindest stimmt hier eine der angebotenen Versionen.

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