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Markt Zell im Fichtelgebirge  |  E-Mail: info@markt-zell.de  |  Online: http://www.markt-zell.de

OT Walpenreuth

Walpenreuth

Die frühere selbständige Gemeinde Walpenreuth

mit Tannenreuth












Einwohnerstand (31.12.2014)

Tannenreuth

22

Einwohner
Walpenreuth

76

Einwohner



Geschichte von Walpenreuth und Tannenreuth

 

Die Namen beider nahe beieinander liegenden Dörfer enden mit -reuth, was darauf hinweist, dass sie als Waldrodungen im Hochmittelalter (ca. 1050 bis 1250) gegründet wurden. Um die erste Jahrtausendwende mit der zur gleichen Zeit stattfindenden Gründung des Bistums Bamberg durch den Sachsenkaiser Heinrich II. begann die systematische Besiedlung und Nutzung der oberfränkischen Waldgebiete, des Radenzgaus, die später die salischen Kaiser fortführten. Diese Ausbreitung nach Osten war die Fortführung der weiter nördlich schon seit dem 10. Jahrhundert durch die Kaiser Heinrich I. und Otto den Großen, stattfindenden Ausweitung des deutschen Reiches nach Osten wie z.B. die Gründungen von Quedlinburg und Magdeburg zeigen. In unserer Gegend wurden die Neugründungen meist mit der Endung -reuth oder-grün wie Walpenreuth oder Walberngrün im Frankenwald versehen.

 

Walpenreuth wie Walberngrünsind Gründungen der Walpoten. Die Walpoten (Boten des Waltenden), ursprünglich aus dem Raum der Frankenalb stammend, waren die unmittelbaren hochadeligen Vertreter der deutschen Könige oder Kaiser (Ministerialbeamten). Ab Beginn des 11. Jahrhunderts treten sie in den nordostfränkischen Gebieten wie dem Radenzgau auf, der auf dem Höhenzug des Fichtelgebirges wie z. B. dem Waldstein endete. Sie verwalteten zuerst die reichsunmittelbaren, d.h. dem deutschen König oder Kaiser gehörenden Gebiete und Siedlungen wie Burgen, Höfe und Forsthäuser. Sie sorgten auch für die Wege und deren Sicherheit. Später gingen viele dieser Orte in ihren Besitz über. Östlich des Radenzgaus lag damals die bayrische Nordmark, später das staufische Vogtland.

Der letzte bekannte Walpote starb um die Wende zum 14. Jahrhundert. Daher ist die Rodung von Walpenreuth zwischen 1150 und 1250 anzunehmen. Dafür spricht auch damals übliche, trotzdem ungewöhnliche Form der Gemarkung, die sich vom Unterdorf fächerartig erweiternd nach Norden bis zu den Häusern von Oberhaid erweitert. Nach Süden und Osten liegen die Gemarkungsgrenzen verhältnismäßig eng am Siedlungskern nahe der Gemarkung von Tannenreuth.

 

Das benachbarte Tannenreuth mit seiner fast runden Gemarkung und dem Dorfkern in der Mitte, in einer sogenannten Blockflur wurde wahrscheinlich einige Jahrzehnte bis ein Jahrhundert früher (zwischen 1100 und 1200) gerodet. Dessen Existenz bei der Gründung von Walpenreuth bedingte auch die Ausdehnung der Gemarkung Walpenreuths in die andere Richtung. Der Name Tannenreuth weist darauf hin, dass die Gründung wohl primär zur Holzgewinnung erfolgte, welches man für die Verhüttung und Weiterverarbeitung von Erzen benötigte. Die Erzgewinnung war der früheste Grund zur Besiedlung der ansonsten unwirtlichen Waldgegend durch die deutsche Krone. In Gefrees sind noch in der Neuzeit bis Ende des 16. Jahrhunderts Silberbergwerke erwähnt. Im Jahre 1752 kam unweit Tannenreuth ein Johann Jahreis zu Tode, als er in einem Oleumbergwerk in den Schacht fiel. Beispielhaft brauchte auch der in der Nähe liegende Knopfhammer neben der Wasserkraft für die mechanische Bearbeitung das Holz, um die Metalle zu erhitzen und bearbeitbar zu machen.

 

Das rauhe Klima hat wohl neben der Holzgewinnung den Ackerbau auf klimarobuste Sorten beschränkt. Im Mittelalter war dies wohl Gerste, Hafer und Lein/Flachs, der auch bald aufgearbeitet und verwebt wurde. Viehhaltung und Honiggewinnung durch Zeidler(Imker) waren weitere Erwerbszweige. Vor allem die Zeidler, die zu jener Zeit das einzige Süßungsmittel lieferten, waren hoch angesehen. Zeidler mussten sogar als Armbrustschützen dem Kaiser Kriegsdienst leisten. Es gab sogenannte Zeidelwiesen, auf denen spezielle Pflanzen für die Bienen angebaut wurden. Mit der Einfuhr von Rohrzucker aus dem neuentdeckten Amerika im 16. Jahrhundert sowie der weiter fortschreitenden Rodung der Wälder verschwand der angesehene Beruf des Zeidlers immer mehr. Die Kartoffel kam in unseren Dörfern wohl erst im 18. Jahrhundert zum Anbau, obwohl deren Anbau bereits um die Mitte des 17. Jahrhunderts in der Hofer/Selber Gegend berichtet wird. Man hielt sie anfangs für Viehfutter.

 

Die ursprüngliche Gründung von Walpenreuth war das heutige Unterdorf. Aber wohl bereits im Spätmittelalter entstand durch einen Aussiedlerhof das Oberdorf, in dessen Nachbarschaft sich Weber und Zeidler ansiedelten. Um 1550 bestand Walpenreuth aus zehn Höfen. In einer weiteren Beschreibung von 1676 wird die gleiche Aufteilung von sieben Höfen als Hirschberger Lehensleute und von drei Höfen zum Amt Gefrees, also zur Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth steuerpflichtig gehörend, angegeben. 1811 bestand Walpenreuth aus 21 Wohngebäuden, davon drei Trupfhäuser (Häuser ohne Grund um das Gebäude). Drei Höfe gehörten zum Amt Gefrees; sie waren nun zu Bayern steuerpflichtig. Zehn Höfe, zwei Wohnhäuser mit Nebengebäuden waren jedoch weiterhin den Grafen von Hirschberg zu Lehenszahlungen verpflichtet. Bereits damals waren die Hausnummern 1-21 vergeben. Im Grundsteuerkataster von 1855 wird in Walpenreuth neben 28 Wohnhäusern ein neugebautes Schulhaus genannt, in dem um die Wende zum 20. Jahrhundert 40 bis 60 Schüler aus Walpenreuth und Tannenreuth unterrichtet wurden. Die Volkszählung von 1925 ergab in Walpenreuth 152 Personen in 26 Wohngebäuden. 2010 lebten nur noch 90 Personen in Walpenreuth.

 

Tannenreuth war sicher schon immer kleiner als Walpenreuth und bestand 1580 aus 5 Häusern mit 26 Personen. 1676 wurden lt. Beschreibung des märkgräflichen Amtes Gefrees weiterhin fünf Höfe gezählt. 1698 ist auch ein Mahlmühle erwähnt, die auch 1811 noch bestand neben neun Wohngebäuden, davon sieben Bauerhöfen und einem Hirtenhaus, das 1802 errichtet worden war und in dem der Hirte lebte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Mühle aufgegeben und der Bach in Rohre gefasst und zugeschüttet. Seine höchste Bevölkerungszahl erlebte Tannenreuth im 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts. 1904 lebten in 13 Wohngebäuden 61 Einwohner. Seither ist die Einwohnerzahl rückläufig. 2010 hatte Tannenreuth 26 Einwohner so viele wie im Jahre 1580.

 

Urkundlich werden beide Orte „Walbotenrute" und „Tannenrute" im Jahre 1317 zum ersten Mal erwähnt. Sie erscheinen dabei im Hennebergischen Lehensverzeichnis als Reichsnachlehen der Herren von Hirschberg, die auf der Burg Hirschstein am Großen Kornberg lebten. In dieser Gründungsphase ist wohl in Walpenreuth von wenigen, drei bis sechs Höfen auszugehen. Hier besaßen 1317 die Herren von Hirschberg zwei Drittel des Zehnten. Das restliche Drittel der steuerpflichtigen Höfe wurde 1547 von den Reichsherren von Waldstein-Sparneck verwaltet, die in diesem Jahr den Zehnten an den Markgrafen Albrecht, mit Beinamen Alcibiades, von Brandenburg-Kulmbach mit drei Gütern verkauften. Dieser Markgraf war eine sehr schillernde Person, der für und gegen alle kämpfte. Seine völlig verfehlte Politik endete im Markgrafenkrieg 1553-1555, in dem Kulmbach und die Plassenburg zerstört wurden. Unter diesem Krieg litten auch sicher die Bewohner unserer Gegend. Zu Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Markgrafen auch Territorialherren der Gegend, die dadurch ihr oberfränkisches Territorium „ob dem Gebirge" abrundeten. Umorganisationen der Ämterstrukturen innerhalb der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth, wie sie sich ab dem 17. Jahrhundert nannte, führte zu wechselnden Zuordnungen der Dörfer zu den Kasten- und Richterämtern Münchberg oder Sparneck.

 

1791 fiel die Gegend an Preußen und wurde Ende 1806 von Frankreich besetzt. Im Jahre 1810 wurden Walpenreuth und Tannenreuth wie ganz Oberfranken dem Königreich Bayern durch Napoleons Gnaden zugeschlagen. In dieser Zeit der Kriege Napoleons gegen Preußen und Russland war unser Gebiet Durchzugsgebiet der Armeen. Einquartierungen und Spanndienste, nicht zu vergessen, die Futterstellung für die Pferde und Essen für die Soldaten belasteten die nicht reich gesegneten Einwohner der Gegend besonders. Mit der Zugehörigkeit zu Bayern dürften die Einwohner aufgeatmet haben in der Hoffnung auf bessere Zeiten, die wohl auch nach 1815 einsetzten. Bayern reorganisierte die neugewonnenen Gebiete und richtete das königliche Landgericht Gefrees im Dekanat Berneck ein zu dem beide Orte gehörten. Seit 1819 werden Walpenreuth und Tannenreuth als die selbständige Landgemeinde „Walpenreuth" geführt. Nach der Gebietsreform von 1972 wurden beide Orte zum Markt Zell eingemeindet.

 

Kirchlich gehörte Walpenreuth zum Pfarrsprengel Münchberg, dann ab ca. 1475 zur Pfarrei Zell, in der 1524/25 die Reformation durchgeführt wurde. Tannenreuth unterstand ursprünglich Marktschorgast und deren Filialkirche Gefrees und blieb bis zur Gebietsreform 1972 kirchlich Gefrees zugeordnet. Dies ist auch ein Hinweis auf unterschiedliche Gründungszeiten.

 

Am Sonntag, dem 31. Juli 1887 erlebte Walpenreuth am Nachmittag eine Brandkatastrophe. Da half auch nicht die 1875 gegründete Feuerwehr mit 54 Mitgliedern. Da Sommer und Sonntag war, waren viele Leute an diesem Tag unterwegs in benachbarten Gemeinden. Da es weder eine Kirche mit Glocken noch das heute selbstverständliche Telefon gab, konnte sich die Nachricht nur langsam verbreiten. Bis zum Eintreffen der Einwohner, hatte das Feuer bei den mit Schindeln und Stroh gedeckten Gebäuden bereits seinen verheerenden durch Wind unterstützten Verlauf genommen. Es wurden nördlich des heutigen Dorfweihers und der Durchgangsstraße im Unterdorf 14 Wohnhäuser und 13 Scheunen ein Raub der Flammen. Nur 14 Gebäude einschließlich der Schule blieben unversehrt. Die Auswirkungen waren katastrophal. 28 Familien wurden obdachlos. Nicht nur die Häuser brannten nieder, sondern auch das Mobiliar einschließlich der Webstühle der Weber wurde vernichtet. Und Brandversicherungen gab es in keinem Falle. Aber der Aufruf zu Sammlungen in den benachbarten Gemeinden und staatliche Hilfe milderten etwas die Lage. Aufgrund des Brandes im Sommer konnte wenigstens noch die neue Ernte eingebracht werden und die Leute im kommenden Winter versorgen. Nach dem Wiederaufbau wurde über 100 Jahre das Dorfbild kaum verändert.

 

Die Anbindung an moderne Verkehrsstrukturen und begann mit der Erneuerung der Verbindungsstraße von Zell nach Knopfhammer 1965, mit der die Durchgangsstraße im Oberdorf von Walpenreuth und die Straßen in Tannenreuth geteert wurden.

Die eigentliche Dorferneuerung begann im Jahre 1996 mit einem Anschluss an die Wasserleitung von Zell für beide Orte, die 3 ältere Wassersysteme des quellenreichen Gebietes ersetzte, eine eigene Kanalisation folgte in den Jahren 2002/04. Den Abschluss fand die Erneuerung von Walpenreuth in den Jahren 2008 bis 2010 mit der Bodenverlegung der Stromleitungen, der Neugestaltung des Dorfweihers und des Dorfangers sowie Asphaltierung der Straßen und Wege.

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