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Der Teufelsbrunnen

aus „Der Sagenkreis des Fichtelgebirges“ von Ludwig Zapf, 3. Auflage, 1976
Teufelsbrunnen

Karl Dietel, Münchberg, berichtet dazu folgendes:


Südwestlich vom Haidberg quillt in einer Höhenlage von 600 m mitten in einer Wiese und nahe einem Weidenbusch ein Sauerbrunnen aus der Erde. Er schickt sein Wasser zur Lübnitz, einem Nebenfluss der in den Weißen Main mündenden Ölschnitz. Das rundliche Becken ist vor kurzem an den Seiten ringsum mit Bruchsteinen ausgelegt und außerdem durch einen aufrechtstehenden Block als Serpentingestein vom Haidberg markiert worden. Die in unmittelbarer Nähe der Saale-Main-Wasserscheide gelegene Quelle trägt den nicht gerade alltäglichen Namen „Teufelsbrunnen“, der seit 1783 auch auf den Landkarten zu finden ist.


Nördlich davon führt der über den Grasberg laufende „Teufelsbrunnenweg“ vorbei, während die zur Ortsflur gehörende Wiese, in der der Säuerling entspringt, die „Teufelswiese“ genannt wird. Kurioserweise schließt gleich östlich davon die in der Gemarkung Walpenreuth liegende „Himmelswiese“ an.


Der Teufelsbrunnen lag 1663 an der Grenze der mittelalterlichen Hochgerichtsbezirke Gefrees und Waldstein-Sparneck und es ist nicht von der Hand zu weisen, daß die gegensätzlichen Bezeichnungen „Teufelswiese“ und „Himmelswiese“ diese Grenzsituation betonen sollten. In dem 1795 erschienenen Buch „Ruinen, Altertümer und noch stehende Schlösser auf und an dem Fichtelgebirge“ schreibt Konrektor J. Th. B. Helfrecht über den Teufelsbrunnen u.a.: „Vermutlich war eine an diesem Berge (Hayn- oder Haideberg) entspringende Quelle einer ihrer (der Wenden) Gottheiten gewidmet, welche man davon, nachdem die Wenden zum Christentum gebracht worden, den Teufelsbrunnen nannte, indem man immer diese Götzen, soweit den Wodan oder Sachsen Othe (Othin) mit dem Teufel in eine Klasse versetzte. Weil nun die Wenden einmal gewohnt waren, ihre Gottesverehrung an diesem Berge zu halten, so gab man derselben nunmehr wahrscheinlich eine andere Wendung, und bauete an dem Berge gegen Lehsten hin eine Kapelle, welche dem heil. Ruprecht gewidmet wurde.“


Hier vertritt der frühere Kreisheimatpfleger Karl Dietel eine andere Meinung. Er schreibt dazu weiter: „Hinsichtlich des Standortes und des Patroziniums der Haidberg-Kapelle hat Helfrecht nicht Recht. Sie stand nicht auf der Nordwestseite des Berges gegen Lösten hin, sondern an seinem felsigen Südwesthang, am Wege von Großenau nach Zell, nur etwa 200 m vom Teufelsbrunnen entfernt. Ihr Schutzheiliger kann auch nicht der Hl. Ruprecht gewesen sein. Denn als man 1570 die zum markgräflichen Amt Stockenroth gehörigen Wälder, zu denen auch „der Wald, die Haid genannt“ zählte, vermass, kam man auch „bei der alten Capeln S. Otting“ vorbei. Sie lag, wie damals ausdrücklich betont wurde, an der Grenze des Amtes Stockenroth und der westlich anschließenden Güter der Herren von Hirschberg. Mit „S. Otting“ kann aber nur der 1189 heilig gesprochene Bischof Otto I. von Bamberg gemeint sein, der ja während seiner Amtszeit (1102 - 1139) bekanntlich die „Zelle Waltstein“, das heutige Zell, erworben oder gegründet hat.“


Heinrich Schuberth aus Hof hat in seinem Aufsatz über den Haidberg in „Siebenstern“ 1934, S. 121 u.a. folgendes geschrieben: „Am Südwesthange des Haidberges entspringt auch ein durch aufgelöstes Eisen des Berges hervorgerufener Sauerbrunnen, der sog. Teufelsbrunnen. Der Sauerbrunnen wurde von den Wenden als heilkräftig anerkannt und als heilig verehrt. Über der Quelle mag auf ragendem Serpentinfels die Kultstätte für die Gottheit gelegen haben. Zur Zeit der großen Nordwaldrodungen im 12. Und 13. Jahrhundert kamen Franziskanermönche oder nach anderer Meinung Benediktinermönche aus Regensburg in die Münchberger Gegend, um die herzugewanderten Christen zu betreuen und die letzten Reste des slawischen Heidentums zu beseitigen. Von diesen Mönchen mag auch die heidnische Kultstätte auf dem Haidberg zerstört worden sein. Auf ihr errichteten sie eine Kapelle, die dem hl. Ruprecht, dem Apostel der Bayern und Gründer des Bistums Salzburg, geweiht war. Die Benützung des Sauerbrunnens wurde verboten, er war ein Werk des Teufels und der von den Wenden als heilig verehrte Quell wurde zum Teufelsbrunnen. Und wenn der Eremit oder später die Priester von Zell die Einwohner der umliegenden Höfe zum Gottesdienst an die kleine Bergkapelle riefen, so nahmen diejenigen, welches das kleine Gebäude nicht zu fassen vermochte, von der unterhalb derselben gelegenen Wiese aus, aus welcher der Teufelsbrunnen entquillt, daran teil.

Dadurch erhielt diese Wiese den Namen „Himmelswiese“.


Die Grenzsituation von 1007 bis zum 14. Jahrhundert war nach H.Mulzer „Zwischen Waldstein und Döbraberg“ folgende: Der Diözesanbereich des Bistums Bamberg, in welchem dem Bischof die geistliche Gewalt zustand und der Bezirk, in dem er als Grundherr die weltliche Gewalt ausübte, deckten sich nicht. Der Diözesanbereich schloss den Münchberger Raum mit ein, der Bereich des Hochstiftes Bamberg erstreckte sich dagegen nur bis zu seinem Südwestende, wo die bischöfliche Vogtei Marktschorgast lag. Der Haidberg könnte also damals ein wichtiger Grenzpunkt gewesen sein. Ob Helfrecht doch recht hat und auf dem Haidberg 2 Capellen standen? Immerhin entspringt auch am Nordhang des Haidberges eine Quelle, nämlich die des Haidbaches. Im Volksglauben spielten die Quellen eine große Rolle. Sie galten als heilkräftig, als Sitze göttlicher Wesen und daher als Kultstätten. Deshalb erinnern nach Ansicht der Flurnamenforscher wohl auch der Teufelsbrunnen an diese heidnische Brunnenverehrung, die dann nach der Christianisierung verpönt worden ist. Ob diese Deutung auch in diesem speziellen Fall zutrifft, ist allerdings mehr als zweifelhaft.

Grossansicht in neuem Fenster: Teufelsbrunnen1

Als 1956 Kinder am Teufelsbrunnen beim Spiel die Erde aufgegraben hatten, kamen unter dem Rasen große Bruchsteine und verfaulte Pfahlstümpfe zum Vorschein, die offensichtlich zu einer alten Quellfassung gehört hatten. Gleichzeitig dort gefundene unglasierte, grob geglimmerte Gefäßbruchstücke aus dem 14. Jahrhundert bezeugen, dass schon in jener Zeit Wasser aus dem Teufelsbrunnen geschöpft worden ist.

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